Vorratsdatenspeicherung bei vielen Anbietern üblich


Wer eine Flatrate hat und so viel telefonieren kann, wie er will, wundert sich vielleicht darüber: dass der Telefonanbieter trotzdem jedes geführte Telefonat speichert, Uhrzeit, Dauer und Empfänger festhält und diese Daten oft wochenlang nicht löscht. Das Gleiche gilt bei DSL-Flatrates am heimischen PC; auch dort werden die zugewiesenen IPs oft für Monate gespeichert. Und das, obwohl diese Daten bei einer Flatrate für die Abrechnung ganz offensichtlich irrelevant sind.

Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat deshalb deutsche Telefon- und Internetnutzer dazu aufgerufen, gezielt bei ihren Telefon- und Internetanbietern nachzuhaken: Wer speichert was? Und wie lange dauert es, bis diese sensiblen Daten wieder gelöscht werden?

Besonders kundenfreundlich sind bisher bloß einige wenige Anbieter: So glänzt Freenet damit, dass die an Nutzer vergebenen IPs gar nicht gespeichert werden. Auch der regionale Anbieter KielNET speichert keine Daten, die nicht für die Abrechnung relevant sind, also auch keine IPs. Löblich ist auch Yahoo!-Mail, der einzige E-Mail-Anbieter, bei dem bei der Mailabfrage nicht gespeichert wird, von welcher IP aus man seine E-Mails abruft.

Umso mehr Anbieter speichern Kundendaten, ohne dass diese für die Abrechnung benötigt werden: Bei 1&1 werden IPs bei der Internetnutzung immerhin 60 Tage gespeichert, bei der Telekom werden manche Anrufe bis zu 180 Tage lang festgehalten. Dafür können bei der Telekom auf Kundenwunsch hin alle gespeicherten Daten gelöscht werden.

Manche Anbieter haben besonders fragwürdige Vorgehensweisen: So speichert Hotmail beispielsweise die IPs des E-Mail-Abrufs unbegrenzt, auch Unity Media löscht die IPs der Kunden für den Internetzugang nie.

Nähere Infos, welche Daten der eigene Anbieter speichert und wie lange, gibt es beim Arbeitskreis Vorrat. Aber auch auf Anfrage sind Anbieter verpflichtet, dem Kunden mitzuteilen, welche Daten sie über ihn gespeichert haben. Dann kann auch ausdrücklich um eine Löschung dieser Sicherungen gebeten werden.

Für die vier großen Netzbetreiber hält der AK Vorrat folgende Info bereit:

Eplus (BASE): Verbindungsdaten (eingehende und ausgehende Verbindungen) samt IMEI, IMSI und Standortkennung sowie IP-Adressen: 90 Tage, auch bei Prepaid-Karten. Verbindungsdaten (erfolglose ausgehende Verbindungsversuche): keine Speicherung. IP-Adressen bei Internetzugang über UMTS-Netz: keine Rückverfolgung möglich (NAT ohne Portspeicherung).

Telekom Deutschland: Verbindungsdaten (eingehende Verbindungen) einschließlich IMSI und IMEI: 30 Tage. Verbindungsdaten (ausgehende Verbindungen): 80-180 Tage, bei Flatrate 30 Tage, IMSI und IMEI: 30 Tage, auf Kundenwunsch Löschung aller Verbindungsdaten mit Rechnungsversand. Verbindungsdaten (erfolglose ausgehende Verbindungsversuche): bei Prepaidkarten 30 Tage, sonst keine Speicherung. Standortdaten (ein- und ausgehende Verbindungen): 30 Tage. IP-Adressen bei Internetzugang: 30 Tage. IP-Adressen UMTS-Netz: keine Rückverfolgung möglich (NAT ohne Portspeicherung).

O2: Verbindungsdaten (eingehende Verbindungen): 30 Tage (für Verbindungen aus dem o2-Netz: 7 Tage), jedoch IMEI, IMSI, Standortdaten, erfolglose Verbindungsversuche, SMS-Verbindungen: 7 Tage. Verbindungsdaten (ausgehende Verbindungen) samt IMSI und Standortdaten: 182 Tage, auf Kundenwunsch 30 Tage, IMEI, erfolglose Verbindungsversuche und Verbindungen zu 0800: 7 Tage. IP-Adressen bei Internetzugang: 7 Tage. IP-Adressen UMTS-Netz: keine Rückverfolgung möglich (NAT ohne Portspeicherung).

Vodafone (Mobilfunk): Verbindungsdaten (eingehende Verbindungen) einschließlich IMSI, IMEI und Standortdaten: 7 Tage (wenn gebührenpflichtig, dann ohne Standortdaten 30 Tage). Verbindungsdaten (ausgehende Verbindungen): 180 Tage (auch bei Flatrate), IMEI: 80 Tage, IMSI und Standortdaten 30 Tage (bei Prepaid 60 Tage), auf Kundenwunsch 30 Tage, bei SMS 7 Tage. Verbindungsdaten (erfolglose ausgehende Verbindungsversuche): keine Speicherung. IP-Adressen UMTS-Netz: Rückverfolgung offenbar möglich (NAT mit Portspeicherung).

Im Gesetz ist verankert, das Daten nur so lange gespeichert werden dürfen, wie sie für Abrechnungszwecke notwendigerweise vorhanden sein müssen. Eine Höchstspeicherdauer ist aber nicht angegeben.

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